2. Oktober
2003 , 20.00 Uhr: Wir sind Helden
Ehrlich, echt und mitreißend
Die freche Berliner Popband Wir sind Helden galt schon
vor der Veröffentlichung ihres ersten Albums als
neue Hoffnung der Generation Golf zwei. "Die Reklamation"
löst das Versprechen von NDW-artigen Ohrwürmern
mit intellektuellem Anspruch ein. Weltverbesserer wollen
die neuen Helden allerdings nicht sein.
Wir sind Helden“ , wer solche Slogans schmettert,
generiert normalerweise müdes Kopfnicken. Aber die
Band haben eine umwerfende Geheimwaffe: die Sängerin,
Texterin und Gitarristin Judith Holofernes. Jeder möchte
der zierlichen 27-Jährigen auf die Schulter klopfen,
sie in den Arm nehmen und ihr sagen, wie toll ihre Single
"Müssen nur wollen" bei voller Lautstärke
nach der Achtziger-Band Propaganda klingt.
Genauso fehl schlagen Versuche, die in den Texten offen
formulierte Medien- und Konsumkritik als böse kalkuliertes
Marketing zu geißeln. Die Helden von Holofernes
heißen Alice Schwarzer und Naomi Klein. Sie verabscheut
Einkaufen, liebt Patti Smith und mag Kneipen in Kreuzberg.
Im Herbst letzten Jahres kam der Lohn der Mühen.
MTV nahm den Clip zur Konsumverweigerungs-Hymne "Guten
Tag" trotz fehlenden Plattenvertrags in eine niedrige
Rotation auf, einige Radiosender taten dasselbe.
Ihre eigensinnige, etwas schnoddrige
Echtheit verhalf den Helden zu einer gewissen Berühmtheit
und großer Identifikationsfläche.
|
"Wir können
alles schaffen, genau wie die tollen/ dressierten Affen,
wir müssen nur wollen" - die launischen Zeilen
über ungebrochenen Optimismus summen Menschen in
der ganzen Republik. Judith Holofernes moderiert die Stimmung
des "So kann es nicht weitergehen".
"Wir sind nicht angetreten, um alle zu dissen - oder
um geiler als die anderen zu sein", meint sie. Das
sei einfach nicht heldenhaft. „Wir sind Helden“
schaffen es mit ihrem neuartigen und doch irgendwie bekannten
Stil, deutschen Pop aufleben zu lassenund wohl auch Menschen
zu versammeln, die genug haben von einem kommerziel geprägten
und überlaufenen Musikmarkt.
Ehrliche, echte Musik am 2. Oktober im Waschhaus.
zurück |